Mai 27, 2022

Spiegel online: Versecks Märchenstunde

Der Spiegel wieder mal… da dachte vielleicht manch einer, der Spiegel habe aus der Causa Relotius was gelernt und schaut jetzt seinen Schreiberlingen ein wenig genauer auf die Finger… und schaut auch mal nach der Glaubwürdigkeit der Quellen.

Nö! Wenn ein Artikel zur Agenda passt, dann wird der gebracht… hier lautet das Motto, Ungarnbashing:

Attacken auf Schülerin in Orbáns Ungarn – Mit einem Satz zur Staatsfeindin

Quelle: Spiegel online

Zum Kernthema des Artikels gibt es nicht viel zu sagen, außer vielleicht: „Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus.“ Wenn eine 19-Jährige (die also auch hier in Ungarn volljährig ist und der man damit so viel Reife zuspricht, dass sie für ihr Handeln verantwortlich ist, selbst wenn sie „noch“ zur Schule geht) den Staatspräsidenten bei einer öffentlichen Rede einen „schnurrbärtigen Schwanz“ nennt, die Regierungspartei als „Diebesbande“ bezeichnet und sagt, sie sollten alle abtreten und „fickt euch ins Gesicht“, dann muss sie damit leben, dass sie von der Gegenseite auch mal als „debiles Rindvieh“, „Straßenflittchen“ etc. bezeichnet wird.

Nun, zumindest das räumt sie – so steht es im Artikel – wohl auch ein. Wieso das jetzt der große Aufmacher, der Empörung hervorrufen soll (wohlgemerkt, es soll sich über den zuerst beschimpften Personenkreis empört werden) geworden ist, wissen wohl nur Herr Verseck und die verantwortlichen Redakteure.

Aber dann geht es mit der Märchenstunde los… da wird aus der „Lebensgeschichte“ des Mädels mit dem losen Mundwerk berichtet…

Ihre Mutter ist Arbeiterin im 25 Kilometer entfernten Mercedes-Werk in Kecskemét.

Das ist prima! Dann muss sie keine Überstunden zu machen versuchen, denn… egal als WAS sie dort arbeitet… sie bekommt für ihre Arbeit bei Mercedes wesentlich mehr (das kann locker das Doppelte sein), als eine Arbeiterin mit vergleichbarer Tätigkeit in der ungarischen Wirtschaft. Jobs bei den deutschen Firmen sind deshalb auch so beliebt… die Bezahlung ist – im Verhältnis zu anderen Jobs im Land – sehr gut und die sozialen Zusatzleistungen sind ebenfalls extrem gut.

Woher ich das weiß? Nun, ich kenne persönlich(!) Ungarn, die genau dort ebenfalls arbeiten. Da verdienen Berufsanfänger mehr als das Doppelte als ihre Eltern, die seit dreißig Jahren eine verantwortungsvolle und qualifizierte Berufstätigkeit ausüben (nur eben leider nicht bei Mercedes oder einer anderen deutschen Firma). Was soll denn nun mit diesem Satz suggeriert werden? Überstunden sind da eher Luxus und Mercedes ist jetzt nicht bestrebt, die Arbeiter mit hunderten „erzwungener“ (Bullshit) Überstunden ohne zeitnahe Bezahlung auszupressen.

Ihr Vater, der ebenfalls Arbeiter war, starb 2015 an Krebs.

Ja… das ist traurig… ich habe meinen Vater auch an den Krebs verloren, als ich nur wenige Jahre älter war… aber weder am Krebstod meines Vaters, noch am Tod des Vaters des Mädchens, um den es im Artikel geht, ist ein gerade unterzeichnetes Gesetz in Ungarn schuld… schuld sind auch nicht Orbán oder Fidesz…
Was will der Autor damit sagen?

Weil die Mutter arbeitete und der Vater krank war, musste Blanka Nagy früh viel Verantwortung übernehmen – auf ihre jüngeren Geschwister aufpassen, den Haushalt mitführen, kochen.

Dieses Schicksal teilen Millionen Mädchen (und auch Jungs) auf der ganzen Welt…

Ihren Vater begleitete sie oft zu medizinischen Behandlungen. Die desolaten Zustände in vielen ungarischen Krankenhäusern, mangelnde Hygiene, fehlendes Personal, empörten sie. Sie fand, man dürfe dazu nicht schweigen.

Und hier geht jetzt die Fantasie endgültig mit ihr durch… oder der Verfasser wurde „relotianisch“ kreativ.

Ich kenne die Verhältnisse im ungarischen Gesundheitssystem (leider und unfreiwillig) sehr gut… aus eigener Erfahrung… am eigenen Leib. Und zwar die Verhältnisse genau in DER Region, in der auch das Mädel und ihre Familie lebt… und ich kenne etliche Krankenhäuser in verschiedenen Städten hier im Süden. Desolate Zustände? Mangelnde Hygiene? Fehlendes Personal? Das ist einfach nur erstunken und erlogen! Die Krankenhäuser hier müssen sich nicht verstecken, sie erfüllen hohe Standards, was Personal und Ausstattung, sowie fachliches Wissen anbelangt. Es gibt sicher auch Abteilungen, wo die Raumgestaltung in den 60er Jahren stehengeblieben sein mag (also nur der Stil der Wand- und Bodengestaltung etc.), aber es ist trotzdem alles auf dem neuesten Stand, was die medizinische Ausstattung anbelangt… und Ärzte, Schwestern und Pfleger sind kompetent und auf aktuellem Wissensstand. Das Mädel oder Herr Verseck erzählen hier Ammenmärchen, um das Land desolat erscheinen zu lassen. Agenda!

Und nur als Klarstellung… meine Erfahrungen habe ich nicht als „Privatpatient“ mit Vorzugsbehandlung gemacht, sondern als normaler Kassenpatient ohne jegliche Sonderbehandlung… in mehr als nur einem oder zwei Fällen. Meine Frau auch… sogar direkt in Kecskemét.

Es war wohl einfach nur mal wieder an der Zeit, einen Ungarn-Bashing-Artikel zu bringen, wo anscheinend die, durch die deutschen MSM fast schon zur „Revolution“ aufgeblähten, Demos abgeflaut sind.

Romane von Herrn Relotius gibt es beim Spiegel nicht mehr… aber nette Kurzgeschichten von Herrn Verseck werden gebracht… der Wahrheitsgehalt scheint vergleichbar.

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