Mai 27, 2022

Wenn die Presse furzt…

…dann stinkt es kurzfristig, aber das verfliegt ganz schnell. Der Gestank hält sich nicht.

Derzeit furzen TAZ und Deutsche Welle, als hätten sie einen Kessel Erbsensuppe gefressen. Trotzdem wird sich der Gestank nicht halten und auch nichts an der Realität ändern.

Sooo gerne hätten es die Schreiber dieser Schmierblätter, wenn die kleinen Demonstrationen gegen das neue Arbeitszeitprogramm in Ungarn sowas wären, wie die „Gelbwesten-Proteste“ in Frankreich. Au jaaa… die Revolution kommt… also sie hätten das gerne… äääh… kann man das nicht irgendwie herbeischreiben?

Jedenfalls werden die Demos mit ein-, zwei-, angeblich auch mal dreitausend Teilnehmern von diesen Medien derart aufgeblasen, dass man als unbedarfter Leser echt meinen mag, das seien „Massenproteste“ und die „Revolution“ stünde kurz bevor.

Nur… es sind halt nur zwei- bis dreitausend Figuren… also so zwischen 0,02 und 0,03% der ungarischen Gesamtbevölkerung. Und das werden auch nicht unbedingt sehr viel mehr… wenn man sich anschaut, wie fest Orbán und Fidez nach Umfragen im Sattel sitzen, ist da wenig zu erwarten. Das Gesetz ist ja auch nicht (ich bleib mal bei dem Bild) wie ein feuchter Furz in den Schlüpper geschossen… das haben die sich nicht erst vor ein paar Wochen ausgedacht… neee… das war hierzulande schon eine Weile im Gespräch (konnte man übrigens AUCH in den alternativen Medien erfahren… JA, die gibt es hier auch… und die werden auch nicht „verfolgt“, wie man in den deutschen MSM suggeriert bekommt). Trotzdem hat die aktuelle Regierung den Rückhalt bei der Mehrheit.

Aber es werden dennoch Berichte über die kleinen Demonstrationen in besagten deutschen „Blättern‘ wie ein Volksaufstand dargestellt und es fällt immer wieder das Schlüsselwort „Gelbwesten“… und es wird mit diesem Begriff auch getaggt, was das Zeug hält. Das ist eine echte UNVERSCHÄMTHEIT den „Gelbwesten“ in Frankreich gegenüber, denn mit der dortigen Protestbewegung ist das nicht einmal im Ansatz zu vergleichen. Und – auch wenn es behauptet wird – die Demonstranten tragen auch gar keine gelben Westen… wenn da wer gelbe Westen trägt, dann sind es die eingesetzten Polizisten: https://invidio.us/watch?v=ds4bWRGWCBk

Was das Gesetz angeht… das klingt natürlich dramatisch… und damit die bloße Wirkung eines Teils des Inhalts (bis zu vierhundert Überstunden… und drei Jahre Zeit für den Ausgleich) noch unterstrichen wird, nutzen TAZ, DW und andere Medien auch noch den Kampfbegriff „Sklavengesetz“, der in Ungarn von der Opposition für das Gesetz erdacht wurde. Der Normalbürger verwendet dieses Wort hingegen nicht.

Was man aber nicht verkennen darf: Es werden jetzt nicht 400 Überstunden im Jahr Pflicht… es gibt nur die Möglichkeit, bis zu 400 Überstunden zu leisten, statt wie bisher „nur“ 280. Das war nämlich nicht einmal möglich, wenn der Arbeitnehmer darum gebettelt hätte. Und nicht jeder Arbeitgeber wird jetzt seinen Angestellten 400 Überstunden pro Jahr abnötigen. Dass eine so hohe Anzahl an Mehrarbeit nötig ist, liegt daran, dass es hier in Ungarn tatsächlich einen Fachkräftemangel gibt… also bei den einheimischen Betrieben. Die vorhandenen Fachkräfte werden nämlich von den ausländischen (überwiegend deutschen) Konzernen hier im Land so aufgesaugt, dass für die heimische Wirtschaft kaum welche übrig bleiben. Grund dafür, dass sie sich „aufsaugen“ lassen, ist das ausgesprochen geringe Lohnniveau in Ungarn. Die ausländischen Konzerne zahlen ein kleines Stück besser und locken dann noch mit Sozialleistungen, bei denen deutsche Arbeiter beim selben(!) Konzern in Deutschland Pipi in den Augen hätten. Können die Firmen aber machen, weil der Arbeiter hier in Ungarn trotzdem ungleich billiger ist… es bleibt ein Gewinn.

Diejenigen, die es nicht schaffen, bei einem deutschen Konzern unterzukommen, arbeiten dann oft im Ausland (sehr gerne in Deutschland), weil es da auch mehr zu verdienen gibt… damit fehlen auch diese der einheimischen Wirtschaft. BTW: Die arbeiten in Deutschland dann nicht unbedingt in dem Bereich, für den sie qualifiziert sind… sondern oft als unqualifiziertes Personal in einfachen Berufen. Trotzdem lohnt es sich. Die „Flucht“ dieser Arbeiter hat aber nichts damit zu tun, dass sie Ungarn verlassen, weil sie Orbáns Politik nicht mögen… die meisten wollen eh zurückkehren und tun dies auch. Die Ungarn lieben ihr Land und ihre Kultur und sind recht heimatverbunden… wenn sie ins Ausland gehen, dann eher als GASTarbeiter, die irgendwann zurückkehren… lieber früher, als später, wenn es denn finanziell geht.

Tja… und die einheimischen Arbeitgeber sind in den Arsch gekniffen, denn ihnen fehlen die Fachkräfte (und auch „Nichtfachkräfte“, die nämlich auch als Pendler ein paar Monate z.B. in Deutschland arbeiten und damit mehr verdienen, als würden sie in Ungarn ein Jahr lang jobben). Mit den spärlichen Personalressourcen müssen sie aber irgendwie auskommen… und teilweise geht das nur mit Überstunden. Und die werden dann auch noch recht gerne geleistet, um das geringe Gehalt aufzubessern. Für viele ist das eine Win-Win-Situation… der Arbeitnehmer freut sich über mehr Geld in der Tasche (die drei Jahre werden kaum ausgereizt werden) und der Arbeitgeber freut sich, weil es etwas billiger für ihn ist, die Überstunden zu bezahlen, als eine zusätzliche Arbeitskraft zu beschäftigen, die es auf dem Arbeitsmarkt eh nicht gibt.

Der Arbeitgeber befindet sich also in einer Art Notlage… ihm fehlen die Arbeitskräfte, die er benötigt, um seinen Betrieb zu erhalten (und damit auch die Arbeitskräfte zu halten und DEREN Existenz zu sichern). Das Gesetz erhöht nun die Flexibilität auf beiden „Seiten“ des Arbeitsvertrages.

Nur mal so angemerkt… §14 ArbZG (das DEUTSCHE Arbeitszeitgesetz) ermöglicht es theoretisch(!) auch, bis zu 392 Überstunden im Jahr zu fahren. Die außergewöhnlichen Umstände, die dafür gesetzlich gefordert sind, treten in Deutschland aber nur eher selten auf… da sind die Arbeitgeber in Ungarn vergleichsweise beschissen dran… bei denen greift das öfter.

Also… das neue Gesetz in Ungarn bietet die Möglichkeit (nicht die Pflicht oder die Regel) für 8 (in Worten ACHT) Überstunden mehr, als es in Deutschland möglich (nicht Pflicht oder die Regel) ist. Wow… was ein „Sklavengesetz“ 😉 😀

Abgesehen davon bewegt sich das neue Gesetz absolut im Rahmen dessen, was in der EU aufgrund der Richtlinie 2003/88/EG Art. 6 erlaubt ist. Ist diese Richtlinie nun auch ein „Sklavengesetz‘? Und wo waren die Proteste (mit oder ohne gelbe Westen), als sie im November 2003 verabschiedet wurde? Also ich hab davon nichts mitbekommen… auf DW findet man im Archiv 2003 mal nix… weder redaktionelle Kritik an der Richtlinie, noch Berichte über Proteste. Bei der TAZ kann ich das nicht recherchieren, weil das Archiv nicht so weit zurückreicht. Auch nicht 2008, wo die 48 Stunden in der Woche (inkl. Mehrarbeit) festgelegt wurden.

Nun wird in Ungarn ein Gesetz erlassen, das europäisches Recht, also damit ja irgendwie auch die europäischen „Werte“, umsetzt und das wird als „Sklavengesetz“ bezeichnet. Die Ungarn (also die Masse der Arbeitnehmer) wird nicht einmal gefragt, was sie davon hält… es wird nur die Meinung der Opposition und einiger NGO, sowie deren Anhänger als DIE Wahrheit dargestellt. Aber das ist „normal“, denn es schreiben eh meist „Journalisten“ über Ungarn, die das Land und die Leute nicht kennen und kaum mal einen Fuß auf ungarischen Boden gesetzt haben. Ihre „Informanten“ sind dann gerne irgendwelche unzufriedenen Querköpfe, die aber als „Maß der Dinge“ in Bezug auf Ungarn präsentiert wenden.

Also… egal, wie oft Ihr furzt… DW und TAZ… die Demos hier in Ungarn sind ebenfalls ein Furz und werden durch Euer Geschreibe, selbst im Stundentakt, nicht zu einer „Revolution“ oder zu „Gelbwestenprotesten“. Und da jetzt durch den Spiegel aufgeflogen ist, wie „die Presse“ die Wahrheit verbiegt, damit Meldungen in die eigene Agenda passen, hoffe ich, dass auch die Leser vielleicht an Euren Darstellungen zweifeln.

Ich weiß, es ist schwierig, zwanghaftes Verhalten abzulegen… aber versucht es doch mal… vielleicht nur noch einen Ungarn-Bashing-Artikel die Woche… und dann immer seltener… zumal die Öffentlichkeit in Deutschland eh nicht so sehr an diesen „Informationen“ interessiert ist, weil sie Ungarn nur vom Balaton, Piroska und Salami her kennen und es sie gar nicht so interessiert (was schade ist… Deutschland ist auch nicht nur Weißwurst, Lederhose und Oktoberfest).

2 Gedanken zu “Wenn die Presse furzt…

    1. Na ja… im deutschen „Staatsfernsehen“ (ÖR) gab es in den Nachrichtensendungen auch schon solchermaßen gefärbte Berichte zum Thema.

      Ansonsten reicht es, wenn man regelmäßig bei TAZ und DW reinschaut, um sich zu informieren, was die so schreiben. 😉

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