Doch mehr als nur einen Blick wert

Im Artikel „Zeit für Alternativen“ vom 05.03. habe ich Alternativen zum „klassischen Internet“ vorgestellt. Dabei habe ich I2P und Freenet recht kurz abgehandelt.
Nun habe ich seit dem insbesondere diese beiden Projekte nochmal ein wenig intensiver getestet und muss zugeben, dass sie in dem Artikel zu schlecht weggekommen sind.

I2P

I2P ist, wie schon erwähnt, recht ressourcenschonend. Das ist auf jeden Fall ein Pluspunkt… insbesondere, weil man, wenn man es sinnvoll nutzen möchte, bei Rechnerstart starten und dauerhaft laufen lassen sollte. Einerseits, weil sich der eigene Knoten mit der Zeit immer besser ins Netzwerk integriert und I2P so „geschmeidiger“ läuft und andererseits – wenn man denn eigenen Content anbieten will – eine selbst angebotene Webseite nur dann für andere zur Verfügung steht, solange der eigene Knoten (und damit der eigene Rechner) läuft. Beendet man I2P, sind die selbst angebotenen Inhalte nicht mehr erreichbar.

Letzteres ist auch der Grund, weshalb der Aufruf von (sehr) vielen Eepsites (so nennt man die über I2P angebotenen Seiten) (sehr) oft einfach nicht erreichbar sind. Meistens ist der anbietende Knoten wahrscheinlich einfach nicht online.

Und das ist ein Grund, weshalb I2P nur einen eher eingeschränkten Nutzen bietet. Hinzu kommt die mäßige Geschwindigkeit (es fühlt sich deutlich zäher an, als beispielsweise Tor).

I2P ist einfach zu installieren, ist nicht zu schwer zu konfigurieren, funktioniert anständig, bietet aber im Betrieb einfach zu wenig, weil man nur selten zuverlässig auf Inhalte zugreifen kann… und eigene Inhalte sind für andere nur erreichbar, solange der eigene Knoten läuft.

IPFS

IPFS hab ich kürzlich auch mal wieder angeworfen (top-aktuelle Version)… und gestaunt, wie der Speicher innerhalb einer halben Stunde „aufgfressen“ wurde… bei ordentlicher Prozessor- und Netzlast. Ehrlich… ich will nebenbei auch noch was anderes erledigen… so wird das erstmal nix mit mir und IPFS.

Freenet

Na und dann hab ich drei Jahre (im Hinterkopf behalten) seit meinem letzten Versuch auch mal wieder Freenet installiert… und ich wurde ausgesprochen positiv überrascht!

Die Installation war kinderleicht und klappte ohne Probleme. Vor drei Jahren war das (bei mir) noch nicht so… damals musste ich schon ganz schön wurschteln und Tipps suchen, um es anständig zum Laufen zu bringen.

Nach der einfachen Installation (sofern man Java auf dem System hat) und dem ersten Start wird man durch einen leicht verständlichen (deutschsprachigen) Setup-Assistenten gelotst… und danach looft et auch schon. Dann muss man noch ein paar Minuten warten, damit sich der eigene Knoten im Netzwerk bekannt machen kann.

Die Startseite (nennt sich FProxy) bietet eine Liste mit nützlichen Links… darunter auch einige Seitenverzeichnisse. Was mich echt überrascht hat… in Enzo’s Index (ein sehr ausführliches und gut filterbares Verzeichnis) habe ich mein altes Flog (ein einfaches Blog bei Freenet) mit Inhalten der Dampfdruck-Presse gefunden. Also klicke ich mal auf den Link und denke, dass da wohl nix kommen wird… aaaber… Irrtum… na kam nicht nix, sondern es erschien tatsächlich mein Flog mit sämtlichen Inhalten, die ich vor drei Jahren (jetzt die drei Jahre wieder aus dem Hinterkopf holen 😉 ) eingepflegt hatte. Hut ab!

Nun bin ich schon eine ganze Weile wieder mit Freenet zugange und muss sagen, dass ich insgesamt positiv überrascht bin. Dadurch, dass angebotene Inhalte dezentral verteilt bereitgehalten werden, findet man bei Freenet sehr viel. Nur selten ist eine Seite nicht erreichbar… gefühlt würde ich sagen, es gibt noch weniger Links ins Leere, als bei ZeroNet, was schon was heißen will.

Im eingangs erwähnten Artikel hatte ich übrigens geschrieben, man müsse sich erst mit „Freunden“ verbinden, bevor man Freenet benutzen könne. Das stimmt so nicht. Das hatte ich nach drei Jahren falsch an Erinnerung. Die vertraute Verbindung mit „Freunden“ bietet nur zusätzliche Anonymität und Sicherheit, ist aber keine Voraussetzung zur Nutzung.

Freenet geht außerdem ebenfalls sehr schonend mit den Systemressourcen um… bei mir läuft es jetzt permanent… und es macht sich im laufenden Betrieb nicht negativ bemerkbar, was die Performance anbelangt.

Das Freenet-Projekt schreibt selbst, dass Freenet recht langsam sei… das stimmt sicher, wenn man es mit dem „klassischen Internet“ vergleicht… aber unter den von mir genannten Netzen gehört es echt nicht zu den langsamsten. Es fluppt sehr ordentlich.

Klar, man muss auch bei Freenet ein paar Dinge lernen und verstehen… aber das ist keine große Sache. Nun ist die Dokumentation, wie bei vielen anderen freien Projekten, teilweise löchrig und nahezu ausschließlich in englischer Sprache… aber daran kann gearbeitet werden. Ich werde auch daran mitarbeiten und die KnowledgeDB damit „füttern“.

Wer jetzt neugierig geworden ist, der kann auch direkt loslegen. Die Installation ist wirklich einfach (Installer herunterladen… und starten). Die englischsprachige Dokumentation findet man hier: Freenet – Documentation

Derzeit ist Freenet bei MIR dabei, ZeroNet den Rang als Favoriten abzulaufen. Es ist auf jeden Fall mehr als nur einen Blick wert!

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