Holprig und zäh

Die ersten Tage mit Gutenberg sind „überstanden“… Begeisterung sieht anders aus… 😉

Aber dass meine Begeisterung ausbleibt, das ist eher in alten Gewohnheiten begründet. Wenn man jahrelang mit dem TinyMCE (und dem Advanced-Plugin) gearbeitet hat, dann ist man daran gewöhnt, seine Artikel und Seiten quasi mit einer „klassischen“ Textverarbeitung zu gestalten. An die geringen Unterschiede zur „normalen“ Textverarbeitung hat man sich schnell und ohne Probleme gewöhnt… man konnte von Anfang an intuitiv arbeiten.

Derart „versaut“ empfindet man die Artikelgestaltung mit Gutenberg als wirklich nicht intuitiv. Ich kann nun nicht beurteilen, wie sich das für einen kompletten Neueinsteiger anfühlen mag, aber ich glaube, dass sich auch bei dieser Zielgruppe viele Funktionen nicht so einfach erschließen.

Eine dramatische Prophezeiung

Heute bin ich nun über einen Artikel bei Dedoimedo mit dem drastischen Titel

WordPress Gutenberg will be the end of WordPress

gestolpert, wo etliche Probleme ausgesprochen kritisch angesprochen werden und man zu dem Schluss gelangt, Gutenberg würde „das Ende“ von WordPress (bezüglich seines heutigen Stellenwertes) bedeuten.

Nun, so weit würde ich nun nicht gehen… ich stehe jetzt auch erst am Anfang meines Experiments mit Gutenberg und hoffe inständig, dass da noch einiges nachgebessert wird… aber spurlos wird es an WordPress und der „WordPress-Szene“ nicht vorbeigehen, wenn noch in diesem Jahr der Standardeditor wirklich ausgetauscht wird.

Miserable Dokumentation

Das größte Manko in meinen Augen ist die miserable – also eigentlich die komplett fehlende – Dokumentation für den Benutzer. Vorhanden ist lediglich eine eher technische Dokumentation… da wird kurz erläutert, was Gutenberg ist… und dann geht es um die API, das Erstellen eigener Blöcke und weitere Dinge, die den Nutzer wenig interessieren.

Der will z.B. wissen, wie er in einen normalen Absatz ein Bild einfügt, das rechts vom Text umflossen wird… oder links vom Bild… oder zwei Bilder, eins rechts, das andere links umflossen. Dazu findet man in der mitgelieferten Hilfe und auch bei wordpress.org erstmal nix.

Genau vor DEM Problem stand ich… und ich habe mir dann zunächst mit dem „Classic“-Block beholfen. Dabei geht das durchaus auch ohne diese Krücke: Man erzeugt oberhalb(!) des Textteils (man muss dann ggf. einen neuen Block daraus machen, der mit dem zu umfließenden Text beginnt) einen Grafik-Block… wählt die Grafik aus und kann dann mit den bekannten Symbolen den Umfluss auswählen, dass der Text z. B. rechts der Grafik fließen soll. Das geht auch mit zwei Grafiken… eine rechts, eine links. Wählt man „zentriert“, dann wird die Grafik einzeln stehend über den Text in der Mitte platziert.

Suchen und probieren

Aber… DAS STEHT NIRGENDWO GESCHRIEBEN! Darauf kann man nur durch Ausprobieren kommen oder man stößt auf eine Erläuterung im Web… so wie ich… auf diesen Artikel im Blog Gutenberg Times: Moving Paragraphs, Adding images, the slash command and beyond.
Das ist aber KEINE offizielle Dokumentation von WordPress… in der findet man das eben nicht.

Was man in der offiziellen Dokumentation (unter den FAQ… wie sinnig) findet, sind Keyboard-Shortcuts. Und bei denen stellt man fest, dass man auch in einem normalen Absatz-Block ein Wort unterstreichen kann, obwohl das im Editor als Icon nicht angeboten wird: Strg+U. Allerdings funktionieren die Shortcuts nicht alle wirklich (das mag am Quasi-Beta-Status des Plugins liegen) und es wird da auch immer mal eine „Option-Taste“ notwendig… und DIE habe ich zumindest bei mir noch nicht gefunden. So soll man beispielsweise einen Link entfernen können, indem man den Shortcut Strg+Option+S benutzt. Ich habe nun wirklich ziemlich alle denkbaren Tasten für „Option“ ausprobiert… aber DAS funktioniert bei mir nicht.

Und damit lässt sich auch nicht, wie in den FAQ angegeben, die Keyboard-Shortcut-Hilfe mittels Strg+Option+H aufrufen. Das geht nur über das Menü ganz oben rechts.

HIER stellt man dann fest, dass die Keyboard-Shortcuts in den FAQ der Dokumentation (zumindest für mein System) falsch sind. Strg+U stimmt… aber aus Strg+Option+S (für das Entfernen eines Links) wird in der Hilfe als Shift+Alt+S angezeigt… und DAS funktioniert dann auch.

Es ist also noch so einiges im Argen… es MUSS eine ordentliche Dokumentation her, denn viele Sachen sind ABSOLUT NICHT intuitiv!

Mir erschließt sich auch nicht, weshalb im Absatz-Block die Formatierung „unterstrichen“ nicht als Icon angeboten wird, dafür aber „durchgestrichen“. Und weshalb einige andere Formatierungen auch nicht verfügbar sind (nicht einmal via Shortcut… oder vielleicht doch… es steht nur NIRGENDS geschrieben)… z.B. „hoch-“ bzw. „tiefgestellt“ oder Textfarbe. Das sind DIE Einschränkungen, die einen immer wieder zum Classic-Block (also den TinyMCE) greifen lassen.

Hoffnung

Sollten diese Schwächen (sofern sie vorhanden sind und ich die gewünschten Funktionen einfach nicht finde) nach und nach ausgeräumt werden und sollte es bald eine GUTE Dokumentation zu Gutenberg geben, dann werden sich nach und nach alle an diesen Editor gewöhnen und damit auch flott umgehen können (ein paar werden abspringen… die gibt es IMMER).

HTML?

Ach ja… ich habe mir heute mal angeschaut, was Gutenberg denn aus einem Teil meines Testartikels (den ich zum Experimentieren benutze, aber nie veröffentlichen werde) macht… na ja… sieht schon seltsam aus… hoffentlich fällt einem das nicht irgendwann auf die Füße. 😉

Zwischenfazit

Mein Fazit: JETZT ist für mich die Arbeit mit Gutenberg noch ausgesprochen holprig und zäh… und ich fürchte, ich gehe stellenweise noch recht umständlich vor. Ich bleibe aber am Ball und werde weiter berichten.

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